News Oktober 2019

Verbraucherreport 2019: Vertrauen in die Politik sinkt

10/2019 - Die Große Koalition hat einige ihrer verbraucherpolitischen Vorhaben angestoßen oder umgesetzt. Das zeigt der Politikcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Laut Verbraucherreport 2019 verliert die Politik aber im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren weiter an Vertrauen. Um das Vertrauen zu stärken, müssen die Alltagsprobleme der Menschen auf die Agenda der Politik. Die Ergebnisse des Verbraucherreports und der Marktbeobachtung haben die wesentlichen Sorgen der Verbraucher identifiziert.

„Als Verbraucherschützer schauen wir mit gemischten Gefühlen auf die Halbzeitbilanz der Großen Koalition. Einige verbraucherpolitische Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag wurden umgesetzt, aber vieles muss noch angepackt werden – besonders da, wo den Verbraucherinnen und Verbrauchern wirklich der Schuh drückt. Nur so kann die Große Koalition das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Nur noch jeder Fünfte vertraut der Politik
Das Vertrauen in die Politik nimmt laut Verbraucherreport des Verbraucherzentrale Bundesverbands kontinuierlich ab. Die Mehrzahl der Befragten (90 Prozent) sieht die Politik in der Verantwortung ihre Interessen als Verbraucher zu schützen. Aber nur 17 Prozent vertrauen der Politik beim Thema Verbraucherschutz. Dieser Wert ist seit 2017 um zehn Prozentpunkte gesunken. Verbraucherschutz kann dazu beitragen, das Vertrauen in die Demokratie wieder zu stärken. Verbraucherschutz kann als Kit in der Gesellschaft fungieren. Das stützen auch die Ergebnisse des Verbraucherreports 2019: Verbraucherschutz trägt für die Mehrheit der Befragten (90 Prozent) entscheidend zur persönlichen Sicherheit bei.

Wichtige Themen für Verbraucher
Neben Gesundheit und Pflege sowie Finanzen und Versicherungen hat der Verbraucherreport besonders zwei Themen identifiziert, die Verbrauchern Sorgen bereiten: Nur jeder zweite legt monatlich Geld für das Alter zurück. Jeder dritte Befragte spart nicht monatlich für die Vorsorge. Neben zu geringen finanziellen Möglichkeiten ist einer der Hauptgründe, dass sie vorhandenen Anlagemöglichkeiten nicht vertrauen. Auch die Marktbeobachtung der Verbraucherzentralen zeigt: Im Finanzbereich ist der Bereich Geldanlage und Altersvorsorge eines der größten Probleme für Verbraucher. Allein 26 Prozent der Beschwerden, die die Marktwächter sammeln, im Themenfeld Finanzen kommen aus diesem Bereich.

Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (59 Prozent) sehen laut Verbraucherreport ihre Interessen im Bereich Telefon und Mobilfunk gut geschützt. Gestützt wird dieses Ergebnis durch die Marktbeobachtung der Verbraucherzentralen: Das Thema Mobilfunk ist für Verbraucher im digitalen Bereich das größte Ärgernis. 4.080 (22 Prozent) der 18.949 Beschwerden beim Marktwächter Digitale Welt gab es zu diesem Thema.


Beratung der Deutschen Rentenversicherung mit Schwächen

10/2019 - Die Beratung der Deutschen Rentenversicherung zur Altersvorsorge zeigt deutliche Schwächen. „Das Ergebnis hat nicht überzeugt. Mehr als ein Ausreichend konnten wir nicht vergeben“, sagte der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus, bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin. „Das muss im Interesse der 55 Millionen gesetzlich Rentenversicherten besser werden“. 80 Tester hatten Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung aufgesucht, um sich zu ihrer Altersvorsorge beraten zu lassen.

Rentenversicherte haben einen Anspruch darauf, sich von der gesetzlichen Rentenversicherung kostenlos zu allen Renten beraten zu lassen. Dazu gehören neben den gesetzlichen auch Riester- und Rürup-, betriebliche sowie private Rentenanwartschaften. Versicherte sollen so die Möglichkeit bekommen, ihre Renteneinkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben einzuschätzen und Auskünfte erhalten, wie sie darüber hinaus Rentenlücken schließen können.

Es waren vor allem die Informationen zum eigenen gesetzlichen Rentenanspruch, die im Test noch akzeptabel waren. Viel zu selten ermittelten die Berater aber das Gesamtrenteneinkommen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge und gaben Rat zum Ausbau der Rentenansprüche. Den Teilbereich „Lösen des Beratungsanliegens“ bewerteten die Tester deshalb mit mangelhaft. In 80 Beratungen bezogen nur 15 Berater alle Renten – gesetzlich, betrieblich, privat – mit in die Analyse ein,benutzten nur 15 Berater für die systematische Erfassung der Rentenansprüche den hauseigenen Analysebogen,
sprachen nur 14 Berater überhaupt das Thema Rentenlücke an.

Alternativen zur Beratung durch die Rentenversicherung gibt es allerdings kaum. Die Stiftung Warentest rät, sich vor dem Beratungstermin selbst ein Bild über die eigene Vorsorge zu machen und gibt konkrete Anleitungen dazu in der Oktober-Ausgabe von Finanztest und online unter www.test.de/rentenberatung.



Steuerliche Förderung bei Gebäudesanierung

10/2019 - Die Koalition hat sich auf der 4. Sitzung des Klimakabinetts auf einige zentrale Klimaschutz-Maßnahmen geeinigt. Vor allem die seit Jahren vom Handwerk geforderte steuerliche Förderung bei energetischen Sanierungen wird vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) begrüßt: Bei selbstgenutztem Eigentum soll diese ab 2020 in Ergänzung zur bereits bestehenden Förderung eingeführt werden. Durch einen Abzug von der Steuerschuld wird gewährleistet, dass Gebäudebesitzer aller Einkommensklassen gleichermaßen profitieren. Gefördert werden alternativ zu bisherigen Förderprogrammen auch Einzelmaßnahmen, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als förderwürdig eingestuft werden. Dazu zählen zum Beispiel der Einbau neuer Fenster sowie das Dämmen von Dächern und Außenwänden. Wer beispielsweise alte Fenster durch moderne Wärmeschutzfenster ersetzt, kann seine Steuerschuld - verteilt über 3 Jahre - um 20 % der Kosten mindern.

Mit der neu konzipierten "Bundesförderung für effiziente Gebäude" (BEG) sollen die bestehenden Förderprogramme im Gebäudebereich gebündelt und inhaltlich optimiert werden. Es genüge dann, einen Antrag für Effizienzmaßnahmen und Erneuerbare Energien einzureichen. Weiterhin wird eine Erhöhung der Mittel in Aussicht gestellt. Um die unterschiedlichen Effizienzhausstufen bei Wohngebäuden zu erreichen, sollen bei umfassenden Sanierungen die bisherigen Fördersätze um 10 Prozent-Punkte erhöht werden.

Die Gebäudeeffizienzstrategie der Bundesregierung werde noch konsequenter auf das Ziel der CO2-Reduktion ausgerichtet sein - also klimaneutraler Gebäudebestand im Jahr 2050. Im Rahmen der KfW-Förderung wolle man die Investitionen weiterer Adressaten durch Zuschüsse fördern: z. B. steuerbefreite Wohnungsgenossenschaften, Wohnungsunternehmen mit hohen Verlustvorträgen oder Personen ohne oder mit nur geringer veranlagter Steuerschuld.

ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk kommentiert: "Endlich wird die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung eingeführt. Die vorgestellten Maßnahmen setzen die richtigen Anreize, sofern sie denn zügig und verlässlich umgesetzt werden. Das Dachdeckerhandwerk freut sich darauf, mit seinen Arbeiten einen wichtigen Beitrag für ein umfassendes Klimaschutz-Programm zu leisten. Dachdecker und Dachdeckerinnen stehen mit ihrer Kompetenz bereit, um die geplanten Maßnahmen umzusetzen und sich damit auch als Klimaschützer zu positionieren."